Kommunalpolitik darf Spaß machen

Von
Sven Gerst

Unter dem Titel “Freiheit gestalten: Kommunalpolitik für Brandenburgs Zukunft” luden die Karl-Hamann-Stifftung für liberale Politik im Land Brandenburg, die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und die Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker Brandenburg am 21. Februar 2026 nach Potsdam ein. Was zunächst nach klassischem Konferenzformat klang, gewann jedoch schnell an Dynamik. Alleine schon in der ersten interaktiven Aufwärmübung konnten sich alle Gruppen spielerisch darauf einigen: Wenn der politisch organisierte Liberalismus wieder an Kraft gewinnen soll, braucht es erfahrene Kommunalpolitiker an Bord, die vor Ort tatsächlich Wandel bewirken. Von dort war der gedankliche Sprung nicht weit. Wir bewegen uns längst im Paradigma starker Bürgermeister, von Ekrem İmamoğlu bis zu prominenten liberalen Stimmen hierzulande. Es braucht nicht unbedingt den Chef-Strategen und Programmatiker, sondern den Macher vor Ort.

Genau dort setzte Martin Hoeck als stellvertretender Bundesvorsitzender der Vereinigung liberaler Kommunalpolitiker an. Kommunalpolitik sei der Ort, an dem Politik konkret und operativ wird. Hier wird die Großwetterlage spürbar; hier merkt man zuerst, wenn sich die Stimmung dreht. Gerade in schwierigen Zeiten für den Liberalismus brauche es deshalb Räume für Austausch und Selbstvergewisserung. Laura-Jasmin Iden, Landesvorsitzende der Jungen Liberalen Brandenburg, knüpfte daran an. Das Interesse an lokalpolitischem Engagement sei groß, oft fehlten jedoch klare Anknüpfungspunkte. Dr. Thomas Nitzsche, Oberbürgermeister von Jena, zeigte anschließend anhand seiner eigenen Laufbahn auf, wie diese aussehen könnten. Denn er selbst durchlief ja die einzelnen Stationen: vom Jungliberalen zum Stadtrat, zum Oberbürgermeisterkandidaten, der scheiterte und schließlich zum Oberbürgermeister.

Der anschließende Blick nach Polen durch Andrzej Prendke aus Poznań erweiterte dann die Perspektive um eine europäische Komponente. Als jüngstes Mitglied seines Stadtrates zeigte er auf, wie er gerade in einem stark polarisierten Umfeld als Kommunalpolitiker mit liberaler Standfestigkeit überzeugt. Diese Vergleichsebene mit den polnischen Nachbarn sollte auch unseren Blick für deutsche Entwicklungen schärfen.

Am Nachmittag rückte die professionelle Weiterentwicklung in den Mittelpunkt. Die Teilnehmenden reflektierten systematisch darüber, welche Kompetenzen sie stärken wollen und wo konkrete Weiterbildungsbedarfe bestehen. Es ging um strategische Kommunikation, Führung im Ehrenamt, Umgang mit Konflikten und die Übersetzung politischer Überzeugungen in die administrative Praxis. Denn eines wurde bereits am Vormittag deutlich: Gerade in einer Zeit starker lokaler Führungspersönlichkeiten braucht es ebenso starke liberale Stimmen. Liberalismus überzeugt nur, wenn er nicht bei der Theorie stehen bleibt, sondern als handlungsfähige, funktionierende Praxis erfahrbar wird.