Rathenau wäre kein Putin-Versteher gewesen

Rathenaus (Außen)politik – ein Beispiel für heute?
Nachricht17.02.2017
Dr. Wolf-Dieter Zumpfort beim 11. Rathenau-Tag
Dr. Wolf-Dieter Zumpfort beim 11. Rathenau-TagKarl-Hamann-Stiftung

“Rathenaus (Außen)politik – ein Beispiel für heute?” war der Titel des 10. Walther-Rathenau-Tages der Karl-Hamann-Stiftung für liberale Politik in Brandenburg und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, der am 5. November im Schloss Freienwalde stattfand.

Die Rathenau-Tage am historischen Wohnort des ehemaligen liberalen Außenministers haben inzwischen eine lange Tradition. Der im Titel gestellten Frage gingen Prof. Dr. Michael Dreyer von der Friedrich-Schiller-Universität zu Jena und Dr. Reinhard Schmook, Museumsdirektor im Schloss Freienwalde, nach. Die Moderation übernahm Dr. Wolf-Dieter Zumpfort, Vorsitzender der Karl-Hamann-Stiftung und stellv. Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung.

 
Bindung an den Westen – Ausgleich mit Russland
“Der Name Rathenau wird vor allem mit dem Rapallo-Vertrag von 1922 verbunden”, erläuterte Michael Dreyer. “Dabei war Rathenau traditionell eher ein Politiker, der auf die Bindung Deutschlands an England und Frankreich setzte. Er nutzte die Möglichkeit eines Ausgleichs mit Russland, als sich mit den Westmächten in der Konferenz von Genua keine Fortschritte abzeichneten”.

 
Pro-europäische Politik
Auf die Frage Dr. Zumpforts, wie eine heutige Russland-Politik Rathenaus aussehen würde, sagte Reinhard Schmook, Rathenau wäre sicher kein “Putin-Versteher”. Er würde aber auf keinen Fall eine Politik der deutschen Isolation betreiben, sondern eine pro-europäische Linie verfolgen. Als “Mann der Wirtschaft” sah Rathenau im freien Handel an zentrales Element einer Kriegsverhinderungspolitik. Diese Traditionslinie setzt sich auch in der heutigen liberalen Politik fort.
Ulf Hamann

Ulf Hamann
Faszinierende und geheimnisvolle Persönlichkeit

    Die vielfältige und durchaus widersprüchliche Persönlichkeit Walther-Rathenaus sprachen auch Udo Hamann, Mitglied im Kuratorium der Karl-Hamann-Stiftung, und der FDP-Landesvorsitzende Axel Graf Bülow an. Beide betonten, je mehr sie über den Politiker, Schriftsteller und Industriellen lesen würden, desto faszinierender, aber auch desto geheimnisvoller zeige sich seine Persönlichkeit.

 
Neue finanzielle Basis für Schloss Freienwalde notwendig

    Ob es einen 11. Walther-Rathenau-Tag geben wird, hängt von der Zukunft des Schlosses Freienwalde ab. Bürgermeister Ralf Lehmann und der Stellv. Landrat Friedemann Hanke betonten, dass die gegenwärtige Finanzierung auf neue Füße gestellt werden müsse. Es brauche neue Nutzungskonzepte für das Schloss und die darin befindliche Dauerausstellung zu Rathenau. Michael Dreyer bot an, Kontakte zum derzeit entstehenden Netzwerk der Demokratie-Orte zu vermitteln. “Neben der Paulskirche oder dem Hambacher Schloss gehört auch Freienwalde in den Kanon der Orte, an denen Demokratie geschrieben und gemacht wurde”, appellierte der Historiker und Politikwissenschaftler.